Depression
Diagnose
Verbreitung
Unterschiedliche_Formen
Ursachen
- Psychische_Ursachen
- Depression_als_erlerntes_Verhalten
- Kognitionen_als_Ursache
- Stress_als_Ursache
- Physische_Ursachen
- Depression_als_Begleiterscheinung_anderer_Erkrankungen
- Genetische_Ursachen
Behandlung
- Psychotherapie
- Pharmakotherapie
-- Selektive_Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)
-- Trizyklische_Antidepressiva
-- Monoaminooxidasehemmer
(MAO-Hemmer)
-- Weitere_Antidepressiva
-- Phasenprophylaxe_und_Augmentation
-- Johanniskraut
-- Allgemeines
- Psychiatrische_Klinik
- Lichttherapie
- Elektrische/Felektromagnetische_Stimulationen
- Selbsthilfegruppen
- Ernährung
- Andere_Hilfsmittel
Eine Depression (v. lat. depressio „Niederdrücken“), in der
Psychologie und der Medizin meist als depressive Episode bezeichnet, ist
eine psychische Störung, die durch die Hauptsymptome gedrückte Stimmung,
gehemmter Antrieb, Interessenlosigkeit und Freudlosigkeit, ein gestörtes
Selbstwertgefühl und eine Abschwächung der Fremdwertgefühle (Verlust von
Interesse/Zuneigung für früher wichtige Tätigkeiten oder Bezugspersonen, Schwund
der emotionalen Resonanzfähigkeit, wobei sich der Patient seiner fehlenden
Fremdwertgefühle schmerzhaft bewusst wird – von Betroffenen als Gefühl der
Gefühllosigkeit bezeichnet) gekennzeichnet ist.
Symptome
Neben den bereits genannten Hauptsymptomen können unter anderem das Gefühl der
Minderwertigkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle, Müdigkeit,
verringerte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, sinnloses
Gedankenkreisen, langsameres Denken, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, vermindertes
Gefühlsleben bis hin zur Unfähigkeit des Zeigens einer Gefühlsreaktion und
verringertes sexuelles Interesse auftreten. Häufig tritt bei einer akuten
Depression auch eine völlige Unmotiviertheit auf. Die Betroffenen werden passiv
und sind zum Teil nicht in der Lage, einfachste Tätigkeiten wie Einkaufen und
Abwaschen zu verrichten. Bereits das morgendliche Aufstehen kann dann Probleme
bereiten („Morgenloch“).
Negative Gedanken und Eindrücke werden häufig überbewertet und positive Aspekte
nicht wahrgenommen beziehungsweise für zufällig gehalten.
Depressionen äußern sich oft auch in körperlichen Symptomen (Vitalstörungen) wie
zum Beispiel Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme,
Gewichtszunahme, Verspannungen, Schmerzempfindungen im ganzen Körper,
Kopfschmerzen und verlangsamten Bewegungen. Auch kann eine verstärkte
Infektionsanfälligkeit beobachtet werden. Die Schlafstörungen äußern sich dabei
meist in großer Tagesmüdigkeit, Durch- und Einschlafstörungen sowie
frühmorgendlichem Aufwachen und Wachbleiben mit Kreisdenken. Je nach Schwere der
Depression kann diese mit latenter oder akuter Suizidalität verbunden sein. Es
wird vermutet, dass der größte Teil der jährlich zirka 12.000 Suizide in
Deutschland auf Depressionen zurückzuführen ist. Demnach würden mehr Menschen in
Deutschland an den Folgen einer klinischen Depression sterben als an
Verkehrsunfällen.
Diagnose
Eine genaue Diagnose wird aufgrund der Komplexität von psychischen Erkrankungen
oft erst vom Experten, das heißt vom psychologischen Psychotherapeuten oder
Psychiater gestellt.
Verbreitete Diagnosewerkzeuge sind die Hamilton-Depressionsskala (HAMD), das
Beck-Depressionsinventar (BDI) und das Inventar depressiver Symptome (IDS).
In einigen Fällen ist die Depression mit anderen Erkrankungen verbunden, so dass
sie von den behandelnden Ärzten nicht direkt erkannt wird.
In der ICD fallen Depressionen unter dem Schlüssel F32.- und werden als
„Depressive Episode“ bezeichnet. Unterarten sind:
- F32.0 Leichte depressive Episode
- F32.1 Mittelgradige depressive Episode
- F32.2 Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
- F32.3 Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
- F32.8 Sonstige depressive Episoden
- F32.9 Depressive Episode, nicht näher bezeichnet
Verbreitung
Die Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Es gibt
jedoch sehr unterschiedliche Zahlen darüber, wie hoch der wirkliche Anteil
derjenigen ist, die davon betroffen sind. Das hängt zum einen mit der hohen
Dunkelziffer zusammen (viele Depressionen werden nicht als solche erkannt) und
zum anderen mit der Definition der Krankheit. Die meisten Veröffentlichungen
gehen jedoch heute davon aus, dass in Deutschland mehr als 10 Prozent der
Personen im Laufe ihres Lebens eine behandlungsbedürftige Depression durchleben.
Der britische NHS erklärt in einer großangelegten Informationskampagne hingegen,
dass fast jeder Mensch in seinem Leben mindestens einmal an Depression leide.
Diese Kampagne richtet sich insbesondere an Männer, die sich ihrer Krankheit
meist schämen, diese verheimlichen und so nicht die nötige Hilfe erhalten.
Bei Frauen werden Depressionen im Durchschnitt doppelt so oft wie bei Männern
diagnostiziert. Dies kann auf eine verstärkte genetische Disposition von Frauen
zur Depression hinweisen, aber auch mit den unterschiedlichen sozialen Rollen
und Zuschreibungen zusammenhängen, da deutlich mehr Männer an meist
depressionsbedingten Suiziden sterben als Frauen. Bei Männern können sich
Depressionen auch anders ausdrücken als bei Frauen, da sie aber durchschnittlich
seltener in ärztliche Behandlung gehen und weniger über sich erzählen, kommt
dies oft nicht zur Kenntnis.
In den vergangenen Jahren wurde in den entwickelten Ländern ein starker Anstieg
der depressiven Erkrankungen beobachtet, ganz besonders in den hoch
industrialisierten Ländern. Die Ursachen dafür sind noch unklar, häufig wird
jedoch der Stress in der Gesellschaft (in Form von gestiegener Beanspruchung und
Unsicherheit durch die persönliche und berufliche Situation) mit verantwortlich
gemacht. So wurde zum Beispiel nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine
schlagartige Zunahme von Depressionen und Suiziden in vielen osteuropäischen
Staaten beobachtet. Eine weitere Ursache mag sein, dass die Stigmatisierung der
Depression in den letzten Jahren weitgehend überwunden wurde und die Patienten
heute häufiger ärztliche Behandlung suchen. Dies würde auch mit den Statistiken
für Suizid übereinstimmen, nach denen im Jahre 1980 noch 18.000 Deutsche
jährlich durch Suizid das Leben verloren, während es im Jahre 2000 nur noch
12.000 waren.
Unterschiedliche Formen
Tiefenpsychologisch und analytisch ausgerichtete Theorien unterscheiden zwischen
der endogenen Depression (endogen bedeutet aus sich selber
heraus), die ohne erkennbare Ursache auftritt (und bei der auch eine
genetische Mitverursachung vermutet wird), der neurotischen Depression –
oder auch Erschöpfungsdepression – (verursacht durch länger andauernde
belastende Erfahrungen in der Lebensgeschichte) und der depressiven Reaktion
(auch: reaktive Depression – als Reaktion auf ein eher kurz
zurückliegendes belastendes Ereignis).
Neue, eher deskriptiv (beschreibend) ausgerichtete Diagnose-Schemata, wie die
Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter
Gesundheitsprobleme (ICD-10) unterscheiden zwischen Episoden (einzelnen
Vorkommen von Depression beziehungsweise Manie) und rezidivierenden Störungen
(wiederholtes Vorkommen von Episoden). Die Schwere der Depression wird mit
leicht, mittelgradig oder schwer bezeichnet, hinzukommen
können psychotische Störungen.
Bei der seltener anzutreffenden bipolaren affektiven Störung kommen Depressionen
und Manien (die sich durch unkontrollierte Hyperaktivität, übernormal gehobene
oder gereizte Stimmung oder getriebene Missmutigkeit und durch mangelnde
Kritikfähigkeit auszeichnen) in zeitlich unterschiedlich langen Phasen vor,
daher auch die ältere Bezeichnung manisch-depressive Erkrankung. In
leichter, aber über Jahre andauernder Form wird sie als Zyklothymie bezeichnet.
Das langandauernde Pendant zur (nicht manischen) Depression ist die Dysthymie.
Statt Manien können bei der bipolaren Störung auch Hypomanien vorkommen, die
nicht so stark ausgeprägt sind, und die oft übersehen werden oder bei Ärzten
nicht geschildert werden (der Betroffene fühlt sich ja dabei gut). So stecken
hinter einer rezidivierenden Depression oft bipolare Störungen, die anders
behandelt werden sollten.
Manche Psychiater diagnostizieren eine spezielle Winterdepression, die durch
Mangel an Sonnenlicht begünstigt wird. Eine weitere Sonderform ist die
Altersdepression: bei den 70- bis 74-jährigen sind 14 % depressiv, bei über
80-jährigen sind es 42 %, auch hier Frauen doppelt so häufig wie Männer. Diese
Zahlen belegen, dass ältere Menschen häufiger an Depression erkranken als
jüngere. Allerdings gehen die Alterspsychiater heute davon aus, dass es keine
spezielle Altersdepression gibt, sondern alle Formen der Depression auch im
höheren Lebensalter vorkommen können.
Bei etwa 10 % der Frauen kommt es nach einer Geburt zu einer postpartalen
Depression, für die hormonelle Ursachen vermutet werden.
Eine Sonderform der Depression ist die anaklitische Depression (Anaklise =
Abhängigkeit von einer anderen Person) bei Babys und Kindern, wenn diese allein
gelassen oder vernachlässigt werden. Die anaklitische Depression äußert sich
durch Weinen, Jammern, anhaltendes Schreien und Anklammern und kann in
psychischen Hospitalismus übergehen.
Letztendlich können auch organisch bedingte Depressionen entstehen. (z. B. durch
eine Hypothyreose )
Ursachen
Die Ursachen, die zu einer Depression führen, sind noch nicht vollständig
aufgeklärt. Es ist wohl, wie bei vielen Erkrankungen, von einer Multikausalität
auszugehen, das heißt, dass sowohl biologische (genetische) Faktoren, wie
entwicklungsgeschichtliche Erlebnisse, wie auch schließlich aktuelle Ereignisse
eine Rolle spielen können. Im Einzelfall kann dabei die Ursache mehr bei einem
der genannten Pole liegen.
Psychische Ursachen
Neben der Möglichkeit einer genetischen Disposition stellt beispielsweise das
Erleben von Entwertung, Erniedrigung und Verlust in engen Beziehungen ein hohes
Risiko für das Entstehen einer Depression dar. Auch Stresssituationen (siehe
unten) scheinen als Ursache eine Rolle zu spielen.
Als psychische Ursachen für die Depression werden, besonders von
psychoanalytisch orientierten Psychologen wie Heinz Kohut und Donald W.
Winnicott, auch dysfunktionale Familien beschrieben. Hier sind die Eltern mit
der Erziehungsarbeit überfordert, und von den Kindern wird erwartet, dass sie
problemlos „funktionieren“, um das fragile familiäre System nicht aus dem
Gleichgewicht zu bringen. Besonders Kinder, die auf solch eine Überforderung mit
der bedingungslosen Anpassung an die familiären Bedürfnisse reagieren, sind
später depressionsgefährdet. Als handlungsleitendes Motiv kann nun das ständige
Erfüllen von Erwartungen entstehen. Die so entstandenen Muster können lange auf
einer latenten Ebene bleiben, und beispielsweise durch narzisstische
Größenphantasien oder ein Helfersyndrom kompensiert werden. Erst wenn die
depressive Überforderung ein nicht mehr erträgliches Maß erreicht, wird aus der
latenten eine manifeste Depression. Diese psychischen Ursachen hinterlassen in
der Regel physisch nachweisbare Reaktionen im Gehirn.
Depression als erlerntes Verhalten
Ein ganz anderes psychologisches Erklärungsmodell stellt das Konzept der
„Erlernten Hilflosigkeit“ dar, welches bestimmte Lernvorgänge im Leben eines
Menschen als ursächlich für destruktive Denk- und Verhaltensmuster ansieht, die
eine Depression zur Folge haben können.
Nach Seligmans Depressionsmodell werden Depressionen durch Gefühle der
Hilflosigkeit bedingt, die auf unkontrollierbare, aversive Ereignisse folgen.
Entscheidend für die erlebte Kontrollierbarkeit von Ereignissen sind die
Ursachen, auf die die Person ein Ereignis zurückführt. Nach Seligman führen
Attributionen aversiver Ereignisse auf internale, globale und stabile Faktoren
zu Gefühlen der Hilflosigkeit, die wiederum zu Depressionen führen.
Kognitionen als Ursache
Im Zentrum von Becks Depressionsmodell stehen kognitive Verzerrungen der
Realität durch den Depressiven. Ursächlich dafür sind, laut Beck, negative
kognitive Schemata oder Überzeugungen, die durch negative Lebenserfahrungen
ausgelöst werden. Kognitive Schemata sind Muster, die sowohl Informationen
beinhalten als auch zur Verarbeitung von Informationen benutzt werden und somit
einen Einfluss auf Aufmerksamkeit, Enkodierung und Bewertung von Informationen
haben. Durch Benutzung dysfunkionaler Schemata kommt es zu kognitiven
Verzerrungen der Realität, die im Falle der depressiven Person zu
pessimistischen Sichtweisen von sich selbst, der Welt und der Zukunft führen
(negative Triade). Als typische kognitive Verzerrungen werden u.a. willkürliche
Schlüsse, selektive Abstraktion, Übergeneralisierungen und Über- oder
Untertreibungen angesehen. Die kognitiven Verzerrungen verstärken rückwirkend
das Schema, was zu einer Verfestigung der Schemata führt. Jedoch ist unklar ob
kognitive Fehlinterpretationen, bedingt durch die Schemata, die Ursache der
Depression darstellen oder ob durch die Depression kognitive
Fehlinterpretationen erst entstehen.
Stress als Ursache
Als natürlicher Schutzmechanismus wird im Gehirn in Gefahrensituationen die
Produktion von Serotonin gehemmt. Dieser Vorgang ist nachweisbar, während der
hochkomplexe individuelle Sozialisationsprozess und das charakterlich-affektive
Verhalten im Erleben des Menschen nicht so einfach nachzuweisen ist. Die
Serotoninproduktion (hier wohl eher ? : Serotonin-Reduktion) ist eine mögliche
Reaktion des Gehirns auf interpersonelle (zwischenmenschliche) oder
intrapersonelle (selbstreflektierte) Stressinteraktionen des Menschen. Sie
spielt eine Schlüsselrolle bei weitsichtigem Denken, was aber in
Gefahrensituationen nicht sinnvoll ist. Normalisiert sich die Situation wieder,
so wird beim gesunden Menschen die Serotoninproduktion wieder aufgenommen – der
Betreffende denkt wieder klar.
Besonders wenn mehrere Stresssituationen über einen Zeitraum von einigen Jahren
anhalten, kann es vorkommen, dass sich die Serotoninproduktion nicht mehr
normalisiert, wenn schließlich doch wieder eine ruhigere Phase im Leben
eintritt. Depressionen werden im Alter von etwa 30 Jahren verstärkt beobachtet,
zu einem Zeitpunkt also, da bei manchen Menschen nach einer stressreichen
Jugendzeit das Leben in ruhigeren Bahnen verläuft. Das Serotoninniveau bleibt
niedrig, und nun wird nicht mehr Stress im Leben bewältigt, sondern ein
normaler, nicht übermäßig aufregender Alltag gedämpft. An dieser Stelle setzt
die Depression ein. Das weitsichtige Denken ist gestört, was aber notwendig ist,
um sich auf künftige Ereignisse freuen zu können. Viele psychologische
Selbstschutzmechanismen (etwa der Gedankengang, dass an einem Problem auch
andere schuld sein könnten, und nicht man selbst) sind bei Depressionserkrankten
offenbar „ausgehebelt“ oder konnten sich gar nicht erst ausbilden.
Eine anfängliche Krise kann einen Kranken in einen Teufelskreis reißen, den er
allein nur sehr schwer wieder durchbrechen kann: Im Verlauf der Erkrankung zeigt
sich, dass – gerade bei lange andauernden Depressionen – die Krankheit so stark
in das Leben der Betroffenen eingreift, dass zwischenmenschliche Beziehungen und
auch zum Beispiel schulischer und beruflicher Erfolg darunter zu leiden haben.
Das durch die Krankheit bedingte Ausbleiben von Erfolgserlebnissen
beziehungsweise das häufigere Erleben von Rückschlägen im eigenen Fortkommen
führt dann wieder in das die Depression bestimmende Denkmuster von Hilfs- und
Hoffnungslosigkeit.
Im Blut und Urin von Depressiven lassen sich in der Regel überhöhte Mengen des
Stresshormons Kortisol nachweisen.
Physische Ursachen
Insbesondere in älteren Diagnoseansätzen der Schulmedizin wird diesen neuronalen
Veränderungen an sich die auslösende Ursache für die Krankheit zugeschrieben.
Andere Diagnoseansätze fokussieren mehr auf die Auslöser der biochemischen
Veränderungen in der Umwelt und den Lebensgewohnheiten des Patienten.
Ein weiterer exogener beziehungsweise biogener Auslöser ist die Lichtaufnahme.
Bei der so genannten saisonalen, auch: Winter- oder Herbstdepression
(siehe oben) treten durch den Mangel an Sonnenlicht regelmäßig über die
Wintermonate depressive Symptome auf, die im Frühjahr wieder abklingen.
Auch die Antibabypille kann schwere Depressionen auslösen, da einige Frauen sehr
empfindlich auf die chemischen Hormone reagieren. Auslöser sind hierbei vor
allem die Gestagene.
Depressionen werden auch häufig durch Medikamente verursacht. So ist z.B. von
Malaria-Prophylaxe-Präparaten bekannt, dass sie Depressionen auslösen können.
Diese Nebenwirkung ist daher als Warnhinweis im Beipackzettel enthalten.
Depression als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen
Verschiedene körperliche Zustände oder Erkrankungen können die Ursache einer
symptomatischen Depression sein. Dazu zählen viele Hormonstörungen,
beziehungsweise Veränderungen im Regelkreis der Hormone, zum Beispiel Umstellung
der Sexualhormone nach der Schwangerschaft oder während der Pubertät, bei
Schilddrüsenfunktionsstörungen und Hypophysen- oder Nebennierenerkrankungen.
Ebenso stehen bestimmte Viren wie z. B. das Borna Virus in Verdacht zu
funktionellen Störungen des Gehirns beizutragen, welche letztendlich zu
Depressionen führen. Auch können medikamentöse Therapien Depressionen auslösen,
so etwa Betablocker aber auch viele andere Medikamente, etwa die Therapie mit
gewissen Immunmodulatoren bei Hepatitis.
Bei korrekter Anamnese und fachgerechter Behandlung der Grunderkrankung ist die
Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch die Depression verschwindet.
Beispielsweise leiden Personen mit stark schwankenden Blutzucker häufig unter
depressiver Verstimmung. Wenn durch geeignete Maßnahmen wie
Ernährungsumstellung, Sport oder ggf. Diabetesbehandlung der auslösende Zustand
Blutzuckerschwankung beseitigt wird, mildert sich auch die vermeintlich
psychisch bedingte Depression ab.
Auch Umweltgifte wie z. B. Schwermetalle oder Holzschutzmittel stehen in
Verdacht, eine Depression verursachen zu können.
Betrachtung aus physiologischer Sicht
Die Depression gehört zu den affektiven Störungen, wie auch die Manie und die
manisch-depressive Erkrankung. Als gesichert gilt, dass bei jeder bekannten Form
der Depression das serotonale und/oder noradrenale System gestört ist, das
heißt, der Spiegel dieser Neurotransmitter ist zu hoch oder zu niedrig, oder die
Resorption/Reizbarkeit der Synapsen ist verändert. Vollkommen unklar ist jedoch,
ob die Veränderung im Serotoninspiegel eine Ursache oder eine Folge der
depressiven Erkrankung ist.
Die medikamentöse Behandlung mit modernen Antidepressiva setzt bei der
Veränderung des Serotonin- und/oder des Noradrenalinspiegels an.
Genetische Ursachen
Aus der Zwillingsforschung ist bekannt, dass eine genetische Komponente bei der
Neigung zu Depressionen wahrscheinlich ist. Vermutlich sind mehrere Gene für
eine Anfälligkeit gegenüber Depressionen verantwortlich, so hat man etwa
bei Depressiven eine relevant häufige Mutation auf dem Gen 5-HTT entdeckt.
Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien legen nahe, dass bei manchen Menschen
eine genetisch bedingte Empfindlichkeit für Depression besteht. Zwillingsstudien
weisen darauf hin, dass im Vergleich zu Effekten der gemeinsamen familiären
Umgebung genetischen Faktoren die entscheidende Bedeutung zuzukommen scheint. So
sei das Risiko für Kinder, bei denen ein Elternteil depressiv erkrankt ist, bei
10–15%, ebenfalls zu erkranken und bei vorhandener Erkrankung beider Elternteile
von 30–40%.
Die Zwillingsstudien zeigen umgekehrt aber auch, dass der genetische Faktor nur
ein Teilfaktor ist. Selbst bei identischer genetischer Ausstattung erkrankt der
Zwillingspartner des depressiven Patienten in weniger als der Hälfte der Fälle.
Beim Entstehen einer Depression spielen immer auch Umweltfaktoren eine Rolle.
Darüber, wie die mögliche genetische Grundlage der Depression allerdings
aussehen könnte, besteht keine Einigkeit. Einvernehmen herrscht im Moment nur
darüber, dass es ein isoliertes „Depressions-Gen“ nicht gibt.
Zu bedenken ist, dass zwischen genetischen Faktoren und Umweltfaktoren
komplizierte Wechselbedingungen bestehen können. So können genetische Faktoren
z.B. bedingen, dass ein bestimmter Mensch durch eine große Risikobereitschaft
sich häufig in schwierige Lebenssituationen manövriert. Umgekehrt kann es von
genetischen Faktoren abhängen, ob ein bestimmter Mensch mit einer psychosozialen
Belastung gut zurecht kommt oder depressiv erkrankt.
Behandlung
Depressionen können in der Regel gut behandelt werden. Infrage kommen die
Psychotherapie, physikalische Maßnahmen oder eine medikamentöse Behandlung mit
Antidepressiva. Häufig wird auch eine Kombination aus medikamentöser und
psychotherapeutischer Behandlung angewandt.
Psychotherapie
Zur Behandlung der Depression werden verschiedene psychotherapeutische Verfahren
eingesetzt.
Häufig werden heute die Verhaltenstherapie oder die Kognitive Verhaltenstherapie
angewandt. Dabei geht es vor allem darum, die depressionsauslösenden Denkmuster
zu erkennen, um sie dann Schritt für Schritt zu verändern. Vorreiter dieser
Therapieansätze waren unter anderem Albert Ellis und Aaron T. Beck. Neben der
kognitiven Therapie hat sich in klinischen Studien, die nach streng
wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt worden sind, die interpersonelle
Therapie nach Weissman/Klerman, welche auf der Neo-Psychoanalyse Sullivans
basiert, als überdurchschnittlich wirksam erwiesen, sodass insbesondere diesen
beiden Therapieformen eine nachweisliche Bedeutung zukommt.
Auch tiefenpsychologisch orientierte, psychoanalytische und humanistische
Verfahren werden in der Therapie der Depression mit nachgewiesenem Erfolg
eingesetzt. Bei diesen Verfahren wird versucht, an den oft schon in der Kindheit
entstandenen psychischen Problemen und daraus resultierenden Haltungen zu
arbeiten. Dabei geht es auch darum, unbewusste aus der Kindheit stammende
Verhaltensmuster auf eine bewusste Ebene zu bringen.
In gruppentherapeutischen Verfahren wird versucht, die Tendenz zum Rückzug zu
überwinden, die verringerten Interaktionsmöglichkeiten zu bessern und die oft
reduzierte Fähigkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen, zu fördern.
Rollenspieltechniken (zum Beispiel Psychodrama) können unter anderem helfen, den
eigenen, oft eingeengten und festgefahrenen Blick zu überwinden.
Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die Verarbeitung unterdrückter Gefühle
auch durch eine Selbsttherapie funktionieren kann.
Die psychotherapeutischen Verfahren können sowohl als einzige Therapie als auch
in Kombination mit einer Pharmakotherapie eingesetzt werden.
Pharmakotherapie
Nehmen Sie niemals
Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem Arzt oder
Apotheker ein!
Auch in der medikamentösen Behandlung der Depression gab es in den letzten
Jahren enorme Fortschritte.
Die bekanntesten Antidepressiva lassen sich in drei Gruppen einteilen:
Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)
Die Selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer werden bei Depressionen heute am
häufigsten eingesetzt. Sie haben meist weniger Nebenwirkungen als trizyklische
Antidepressiva und wirken bereits nach einer Einnahmedauer von 2–3 Wochen. Die
bekanntesten Präparate sind Fluoxetin (Fluctin), Sertralin (Zoloft, Gladem),
Paroxetin (Seroxat) und Citalopram (Cipramil).
Sie beruhen auf dem Wirkungsmechanismus der relativen selektiven
Wiederaufnahme-Hemmung von Serotonin an der präsynaptischen Membran, wodurch
eine „relative“ Erhöhung des Botenstoffs Serotonin erzielt wird.
Serotonin wird bei seiner Erniedrigung in den Stoffwechselvorgängen im Gehirn
für die Pathogenese von Depressionen aber auch von Manien und Obsessionen –
sprich Zwangshandlungen – verantwortlich gemacht. Daher werden SSRIs auch
erfolgreich gegen Zwangs- und Angstzustände eingesetzt bzw. bei Kombinationen
mit Depressionen. Da Serotonin auch bei anderen neural vermittelten Prozessen im
ganzen Körper eine Rolle spielt, wie zum Beispiel Verdauung und Gerinnung des
Blutes, resultieren daraus auch die typischen Nebenwirkungen, durch Interaktion
in andere neural gesteuerte Prozesse.
SSRIs werden seit ca. 1986 eingesetzt, seit 1990 sind sie die am häufigsten
verschriebene Klasse von Antidepressiva. Wegen des nebenwirkungsärmeren Profils,
vor allem in Bezug auf Kreislauf und Herz, sind sie sehr beliebt. Häufige
Nebenwirkungen sind jedoch sexuelle Dysfunktion und/oder Anorgasmie. Diese
bilden sich zwar einige Wochen nach Absetzen oder Wechsel des Medikaments fast
immer vollständig zurück, können jedoch zu zusätzlichem (Beziehungs-)Stress
führen.
Trizyklische Antidepressiva
Die trizyklischen Antidepressiva wurden bis zum Aufkommen der
Serotoninwiederaufnahmehemmer am häufigsten verschrieben. Hauptnachteil sind
deren Nebenwirkungen (z.B. Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit,
Muskelzittern und Blutdruckabfall). Bei älteren und bei durch Vorerkrankungen
geschwächten Menschen ist daher Vorsicht geboten. Zudem wirken die Trizyklika
häufig zunächst antriebssteigernd und erst danach stimmungsaufhellend, wodurch
es zu einem höheren Suizidrisiko in den ersten Wochen der Einnahme kommen kann.
In den USA müssen seit kurzem aber auch SSRIs einen diesbezüglichen Warnhinweis
tragen.
Bekannte Präparate bei den trizyklischen Antidepressiva sind Amitriptylin
(Saroten), Clomipramin (Anafranil), Imipramin (Tofranil), Doxepin (Aponal),
Nortriptylin (Nortrilen) und Desipramin (Pertofran).
Monoaminooxidasehemmer (MAO-Hemmer)
MAO-Hemmer wirken durch das Blockieren des Enzyms Monoaminooxidase. Dieses Enzym
spaltet Amine wie Serotonin und Noradrenalin – also Botenstoffe im Gehirn – und
verringert dadurch deren Verfügbarkeit zur Signalübertragung im Gehirn.
MAO-Hemmer werden in selektive und nicht-selektive MAO-Hemmer unterteilt.
Selektive reversible Inhibitoren der MAO-A (z.B. Moclobemid) hemmen nur den Typ
A der Monoaminooxidase. MAO-B hemmende Wirkstoffe (z.B. Selegilin) werden in
erster Linie als Parkinson-Mittel eingesetzt. Nichtselektive irreversible
MAO-Hemmer (z.B. Isocarboxazid, Phenelzin, Tranylcypromin), hemmen MAO-A und
MAO-B.
Monoaminooxidasehemmer gelten als gut wirksam. Allerdings müssen Patienten, die
nichtselektive irreversible MAO-Hemmer einnehmen, eine strenge, tyraminarme Diät
halten. In Verbindung mit dem Verzehr bestimmter Lebensmittel, wie z. B. Käse
und Nüssen, kann die Einnahme von nichtselektiven irreversiblen MAO-Hemmern zu
einem gefährlichen Blutdruckanstieg führen.
Weitere Antidepressiva
Weitere Präparate sind Noradrenalin-Serotonin-selektive Antidepressiva (NaSSA,
Wirkstoff Mirtazapin - ein tetrazyklisches Antidepressivum wie Mianserin; ferner
Maprotilin), Duales Serotonerges Antidepressivum (DSA, Wirkstoff Nefazodon),
Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI, Wirkstoffe Venlafaxin und
Duloxetin; ferner Milnacipran), Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI,
Wirkstoff Reboxetin; ferner Atomoxetin), Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker
(SRE, Wirkstoff Tianeptin), Serotonin-Modulatoren (Wirkstoff Trazodon). Von
historischer Bedeutung ist auch der Einsatz von Opiaten.
Phasenprophylaxe und Augmentation
Speziell bei manisch-depressiven Störungen wird zur Phasenprophylaxe und als
Wirkungsverstärker anderer Antidepressiva wird zudem Lithium eingesetzt.
Nachteil der Lithiumtherapie ist die nötige ständige Überwachung des
Lithiumspiegels im Blut, da Über- und Unterdosierung hier nahe beieinander
liegen. Alternativ können Stimmungsstablisatoren wie Lamotrigin, Carbamazepin
und Valproinsäure gegeben werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Gabe von
Schilddrüsenhormonen, im Regelfall also die Gabe von Thyroxin. Daneben können
auch bestimmte Neuroleptika wie Olanzapin oder synergistische
Antidepressivakombinationen zur Prophylaxe und Wirkungsverstärkung gegeben
werden.
Johanniskraut
Seit mehreren Jahren wird auch Johanniskraut häufig für leichte bis
mittelschwere Fälle angewandt. Die Wirksamkeit von Johanniskraut in der Therapie
der Depression ist aber umstritten. Es gibt sowohl klinische Studien, die eine
Wirksamkeit belegen, als auch solche, die keine Überlegenheit gegenüber Placebo
zeigen.
Wesentlich mag hier auch die Dosis sein: Einige Studien gehen von mindestens 900
mg Extrakt bis hin zu 1800 mg Johanniskrautextrakt aus. Solche Dosen sind mit
Johanniskrauttee, aber auch mit freiverkäuflichen Medikamenten aus dem
Supermarkt, praktisch gar nicht zu erreichen. Typische Präparate enthalten hier
etwa 180 mg pro Dragee, man müsste also zehn Dragees nehmen, um eine wirksame
Dosis von 1800 mg zu erreichen. Andere Präparate erwecken den Eindruck, sie
würden besonders viel Johanniskraut enthalten, indem z. B. von „300 mg
Johanniskraut“ auf der Packung die Rede ist – es handelt sich hier aber um
gemahlenes Johanniskraut, dessen Wirkstoffmenge gegenüber dem
Johanniskrautextrakt nur etwa ein Fünftel beträgt. Auch ist unklar, ob Präparate
empfohlen werden können, die anstatt des üblichen Alkoholauszugs einen öligen
Auszug (Rotöl) als Arzneimittelbasis benutzen, weil sich die bisherigen
positiven Studien alle auf den alkoholischen Extrakt beziehen. Höher dosierte
Johanniskrautpräparate sind inzwischen wieder apothekenpflichtig, es ist daher
sinnvoll, Johanniskrautpräparate aus der Apotheke zu kaufen. Johanniskraut ist
nicht nebenwirkungs- und wechselwirkungsfrei! Bei gleichzeitiger Einnahme
anderer Mittel sollte man vorher Rücksprache mit dem Verordner halten. Durch die
Enzyminduktion in den Leberzellen werden auch viele andere Medikamente schneller
abgebaut und in ihrer Wirkung abgeschwächt.
Besondere Erwähnung verdienen Interaktionen von Johanniskraut (engl.: St John's
wort) mit anderen – potenteren – Antidepressiva: so konnte gezeigt werden, dass
Johanniskraut die Wirkung von z. B. SSRIs durch Beschleunigung ihres Abbaus
deutlich verringert.
Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, dass sich die Lichtempfindlichkeit durch
die Einnahme von Johanniskrautextrakt erhöht. In Studien wird geprüft, den
Wirkstoff Hyperizin (einer der Wirkstoffe des Johanniskraut) auch als Sensitizer
für die Photodynamische Therapie einzusetzen.
Allgemeines
Angesichts der Vielfalt an Antidepressiva bietet sich bei störenden
Nebenwirkungen oder unzureichender Wirkung der Wechsel auf ein anderes Präparat
an. Das sollte aber in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Auch die Wirkung von Verhütungsmitteln kann beeinflusst werden (Pille,
3-Monats-Spritze). Dabei kann es auch zu Schmierblutungen kommen.
Psychiatrische Klinik
Bei hohem Leidensdruck und einem nicht zufriedenstellenden Ansprechen auf
ambulante Therapie und Psychopharmaka ist eine Behandlung in einer
psychiatrischen Klinik in Erwägung zu ziehen. Eine solche Behandlung bietet
verschiedene Vorteile: Der Patient erhält eine Tagesstruktur, es sind
intensivere psychotherapeutische und medizinische Maßnahmen möglich, auch solche
die ambulant nicht abrechenbar sind und somit insbesondere in der
kassenärztlichen Versorgung nicht möglich sind. Häufig ist auch die
medikamentöse Einstellung z.B. auf Lithium ein Grund für einen
Krankenhausaufenthalt. Dabei ist es auch möglich, sich in einer Tagesklinik
tagsüber intensiv behandeln zu lassen, die Nacht aber zu Hause zu verbringen.
Psychiatrische Kliniken haben in der Regel offene und geschlossene Stationen,
wobei Patienten auch auf geschlossenen Stationen in der Regel Ausgang haben.
Lichttherapie
Bei der saisonalen Depression (siehe auch Saisonkrankheiten) hat sich die
Lichttherapie bewährt. Einige Stunden unter einer Kunstlichtlampe, die
Sonnenlicht nachempfindet, helfen bei dieser speziellen Erkrankung, dass während
der Wintermonate keine depressiven Symptome auftreten.
Elektrische/elektromagnetische Stimulationen
Insbesondere bei schweren und über lange Zeit gegen medikamentöse Behandlung
resistenten Depressionen kommen gerade in jüngerer Zeit wieder stärker
nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren zum Einsatz, deren Wirkprinzipien
jedoch weitgehend unklar sind.
Das häufigste diesbezüglich eingesetzte Verfahren ist die Elektrokrampftherapie.
In der Epilepsie-Behandlung fiel auf, dass bei Patienten, die gleichzeitig an
einer Depression litten, nach einem epileptischen Anfall auch eine Verbesserung
der Stimmung auftrat. Die Elektrokrampftherapie wird in Narkose durchgeführt und
stellt dann, wenn Medikamente bei schweren Depressionen nicht wirken eine
ernsthafte Alternative dar.
Derzeit in einigen Studien befindlich ist die Vagusnerv-Stimulation, bei der
eine Art Herzschrittmacher im Abstand von einigen Minuten jeweils kleine
elektrische Impulse an den Vagusnerv schickt. Diese Therapie, die ansonsten
insbesondere bei Epilepsie-Patienten Anwendung findet, scheint bei etwa 30 bis
40 Prozent der ansonsten therapieresistenten Patienten anzuschlagen.
Ebenfalls getestet wird derzeit die transkranielle Magnetstimulation (TMS), bei
der das Gehirn der Patienten durch ein Magnetfeld angeregt wird. Die Anzahl der
mit den letztgenannten Verfahren behandelten Studienteilnehmer ist jedoch noch
recht gering, so dass derzeit (2004) keine abschließenden Aussagen zu machen
sind.
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen sind kein Ersatz für Therapien, sondern sie können eine
begleitende Hilfe darstellen. Selbsthilfegruppen können als lebenslange
Begleitung und Rückzugsorte dienen. Einige Gruppen erwarten keine Voranmeldung,
sodass Betroffene spontan bei akuten depressiven Phasen Hilfe suchen können.
Hier können Betroffene das Gefühl bekommen, unter Gleichen zu sein und
verstanden zu werden. Als niedrigschwelliges Angebot haben sich
Selbsthilfegruppen im ambulanten Bereich etabliert und leisten einen wichtigen
Beitrag. In Krankenhäusern und Reha-Kliniken helfen sie Betroffenen, ihre
Eigenverantwortung zu stärken und Selbstvertrauen zu erlangen.
Ernährung
Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass eine ausgewogene, kohlenhydratreiche
Ernährung mit reichlich Fisch sich positiv auf leichte Depressionen auswirken
kann. Allerdings hält die überwiegende Mehrzahl der Wissenschaftler die Wirkung
der über die Nahrung aufgenommmenen antidepressiv wirksamen Substanzen auf das
Gehirn für viel zu schwach, um Depressionen heilen zu können.
Die „antidepressive“ Diät sollte viel Obst, Gemüse und Olivenöl, jedoch wenig
Fleisch oder Nüsse enthalten. Das für die Ernährung notwendige Protein sollte
weitgehend aus Fisch stammen. Die kohlenhydratreiche Ernährung führt im Körper
zu einer besseren Verfügbarkeit von Tryptophan, aus welchem im Gehirn der
Botenstoff Serotonin aufgebaut wird. Serotonin wiederum spielt eine wichtige
Rolle bei der Stressbewältigung und vermittelt auch Glücksgefühle. Depressionen
stehen häufig in Zusammenhang mit einem Serotoninmangel im Gehirn.
Nicht nur die Kohlenhydrate, sondern auch das Fischöl bzw. die darin enthaltenen
Omega-3-Fettsäuren des Fisches sollen einen positiven Einfluss bei schweren
Depressionen haben. Der Wirkungsmechanismus der Omega-3-Fettsäure ist noch nicht
aufgeklärt, jedoch wird eine Interaktion von Fettsäure und dem Neurotransmitter
Serotonin vermutet: ein Mangel an Serotonin wird häufig von einem Mangel an
Omega-3-Fettsäure begleitet, umgekehrt scheint die Gabe der Fettsäure zur
Erhöhung des Serotoninspiegels zu führen. Die orthomolekulare Medizin versucht
außerdem über die Aminosäuren Tyrosin und oder Phenylalanin (meist in der
L-Form) Depressionen günstig zu beeinflussen. Die beiden Aminosäuren werden im
Körper in Noradrenalin sowie Dopamin umgewandelt. Die Erhöhung dieser
Neurotransmitter kann stimmungsaufhellend sein.
Es ist sicher nicht falsch, auch nach Abklingen der depressiven Beschwerden auf
eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu achten. Dabei spielt vor allem ein
gleichmäßiger Blutzuckerspiegel durch regelmäßige Mahlzeiten ein Rolle, ebenso
wie ein maßvoller Umgang mit Genussmitteln wie Kaffee, Nikotin und Alkohol dazu
beitragen kann, psychisch stabil zu bleiben.
Andere Hilfsmittel
Schlafentzug kann antidepressiv wirksam sein und wird in seltenen Fällen zum
kurzfristigen Durchbrechen schwerer Depressionen im therapeutischen Rahmen
eingesetzt (allerdings nicht bei einer manisch-depressiven Erkrankung).
Eine weitere Form der unterstützenden therapeutischen Maßnahmen ist die
Sporttherapie. Da Sport im sozialen Kontext stattfindet, erleichtert er eine
Wiederaufnahme gesellschaftlicher Kontakte. Ein weiterer Effekt der körperlichen
Betätigung ist das gesteigerte Selbstwertgefühl und die mögliche Ausschüttung
von Endorphinen.
Positive Effekte des Jogging bei Depressionen sind im Gegensatz zu anderen
Sportarten empirisch nachgewiesen.
Andere Hausmittel – wie körperliche Bewegung an der frischen Luft,
Entspannungstechniken, kalte Güsse nach Sebastian Kneipp, Kaffee oder Schokolade
– bieten an Depressionen Erkrankten keine Hilfe, sondern können höchstens
Menschen mit leichten depressiven Verstimmungen Linderung verschaffen.
Nehmen
Sie niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem
Arzt oder Apotheker ein!
Psychische Störungen
Achtung - Gesundheitshinweis:
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für
gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden
Ihren Arzt oder Apotheker. Nehmen Sie Medikamente nicht ohne Absprache mit einem
Arzt oder Apotheker ein.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel
Depression aus der freien
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