Angststörung
Klassifikation
Welche Symptome treten auf?
Wie häufig sind Angststörungen?
Welche Ursachen werden
vermutet?
Wie wird die Diagnose
gestellt?
Welche
Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Wie ist der Verlauf der
Erkrankung?
Angststörungen sind psychische Störungen, bei denen die Furcht vor einem
Objekt oder einer Situation oder unspezifische Ängste im Vordergrund stehen.
Wenn es ein solches gefürchtetes Objekt oder eine Situation gibt, spricht man
von einer Phobie.
Den Phobien ist gemeinsam, dass die Betroffenen Ängste haben vor Dingen, vor
denen Gesunde normalerweise keine Angst haben, die also normalerweise nicht als
gefährlich gelten. Dabei erkennen die Patienten zeitweise, dass ihre Angst
übermässig oder unbegründet ist.
Klassifikation
Folgende Unterteilung wird nach ICD-10 getroffen:
- Spezifische Phobien können nach bestimmten Objekten oder Situationen
unterschieden werden:
- Tierphobien: zum Beispiel Angst vor Spinnen,
Insekten, Hunden,
Mäusen.
- Situative Phobien: Flugangst,
Höhenangst, Tunnels, Aufzüge,
Dunkelheit
- Natur-Phobien: zum Beispiel Donner,
Wasser, Wald, Naturgewalten.
- Anblick von Blut, Spritzen,
Verletzungen.
- Agoraphobie: Furcht vor oder Vermeidung von
Menschenmengen, öffentlichen Plätzen, Reisen allein oder Reisen weg von Zuhause.
- Soziale Phobie: Furcht vor oder Vermeidung
von sozialen Situationen, bei denen die Gefahr besteht, im Zentrum der
Aufmerksamkeit zu stehen, Furcht, sich peinlich oder beschämend zu verhalten,
zum Beispiel Paruresis.
- Panikstörungen: Spontan auftretende
Angstattacken, die nicht auf ein spezifisches Objekt oder eine spezifische
Situation bezogen sind. Sie beginnen abrupt, erreichen innerhalb weniger Minuten
einen Höhepunkt und dauern mindestens einige Minuten an.
- Generalisierte Angststörung: Eine diffuse Angst mit Anspannung, Besorgnis
und Befürchtungen über alltägliche Ereignisse und Probleme über einen Zeitraum
von mindestens sechs Monaten, begleitet von weiteren psychischen und
körperlichen Symptomen.
- Angst und depressive Störung, gemischt: Angst und Depression sind
gleichzeitig vorhanden, eher leicht ausgeprägt ohne Überwiegen des einen oder
anderen.
Welche Symptome treten auf?
Allgemeine Angstsymptome
Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, Schweißausbruch, Zittern, Beben,
Mundtrockenheit, Hitzewallungen. Dazu Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl,
Brustschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Auch Bewusstseinsstörungen, zum
Beispiel das Gefühl, verrückt zu werden, das Gefühl, dass Dinge unwirklich sind
oder man selbst "nicht richtig da" ist, dass man nicht mehr die Kontrolle über
die eigenen Gedanken hat, Benommenheit, Schwindel, Angst zu sterben, allg.
Vernichtungsgefühl.
Spezifische Phobien und Agoraphobie
Es besteht eine deutliche emotionale Belastung durch die Angstsymptome. Die
angstauslösenden Objekte beziehungsweise Situationen werden vermieden.
Gleichzeitig besteht die Einsicht, dass die Ängste übertrieben oder unvernünftig
sind. Beim Anblick des angstauslösenden Objekts beziehungsweise der Situationen
kommt es zu den oben beschriebenen Symptomen.
Soziale Phobie
Die Angstsymptome sind die gleichen wie bereits beschrieben. Dazu eventuell
Erröten, Angst zu erbrechen, Stuhl- und Harndrang oder
die Angst davor.
Panikstörungen
Panikattacken gehen besonders häufig mit Herzklopfen, Herzrasen oder
unregelmäßigem Herzschlag einher. Die Betroffenen haben Todesangst vor einem
Herzstillstand oder Herzinfarkt. Atemnot, Erstickungsgefühl, Engegefühl in Hals
und Brust, Zittern und Schwitzen sind deutlich ausgeprägt, immer wieder treten
auch Gefühle von Derealisation auf und die Angst,
verrückt zu werden. Dazu kommen die übrigen beschriebenen Symptome. Spezifisch
für die Panikstörung ist es, dass die Betroffenen oft den Zusammenhang zwischen
den körperlichen Symptomen und ihrer Angst nicht erkennen und die Symptome
fehlinterpretieren. (siehe Panikattacke,
Panikstörung)
Generalisierte Angststörung
Zu den körperlichen Symptomen kommen Symptome von Anspannung wie
Muskelverspannungen, Ruhelosigkeit und Unfähigkeit sich zu entspannen,
Nervosität, Schluckbeschwerden, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und
Einschlafstörungen auf Grund der ständigen Besorgnis und Angst. Die Betroffenen
können oft nicht angeben, wovor sie Angst haben, sie werden von der Furcht
gequält, dass sie oder ihre Angehörigen erkranken oder Unfälle erleiden könnten.
Angst und depressive Störung, gemischt
Zu den Symptomen der Angst kommen die der Depression.
Wie häufig sind
Angststörungen?
Angsterkrankungen sind in der Praxis häufig anzutreffen. Nach einer Studie der
WHO 1996 litten etwa 8,5% der
Patienten in deutschen Allgemeinarztpraxen an einer generalisierten Angststörung
und 2,5 % an einer Panikstörung. Frauen erkranken circa zweimal häufiger als
Männer. Menschen mit Panikstörungen leiden in der Hälfte der Falle zusätzlich an
einer Agoraphobie.
Welche Ursachen werden
vermutet?
Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Wahrscheinlich besteht eine erhöhte
Vulnerabilität aufgrund von genetischer Veranlagung und
Hirnstoffwechselstörungen (insbesondere im Bereich des
Serotonin. Zum Ausbruch der Erkrankung kann es dann aufgrund von äußeren
Einflüssen wie traumatische Kindheitserfahrungen oder
belastenden Ereignissen kommen.
Wie wird die Diagnose
gestellt?
Im Mittelpunkt der Diagnostik steht das ärztliche oder psychotherapeutische
Gespräch. Anhand der geschilderten Symptome kann der Arzt
oder psychologische Psychotherapeut
eine erste Verdachtsdiagnose stellen. Um körperliche Beschwerden der Angst, wie
zum Beispiel Atemnot und Herzrasen, von einer organischen Erkrankung
unterscheiden zu können, muss zunächst eine ausführliche medizinische
Untersuchung zum Ausschluss einer körperlichen Ursache erfolgen. Dazu sind meist
auch laborchemische und technische Untersuchungen erforderlich
(Blutuntersuchung, EKG< und ähnliche). Erst
nach Ausschluss einer körperlichen Erkrankung soll eine seelische Störung
diagnostiziert und die Behandlung geplant werden.
Welche
Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Wahl der Therapie hängt von der Art der Angststörung und dem Schweregrad ab.
Die Betroffenen brauchen stützende Gespräche und Zuwendung. Sie müssen wissen,
dass sie nicht an einer körperlichen Erkrankung leiden. Das Zustandekommen der
körperlichen Symptome muss Ihnen erklärt werden.
Bei allen Formen der Angsterkrankungen sind
psychotherapeutische Verfahren wirksam, vor allem eine
Verhaltenstherapie ist erfolgversprechend. Bei
schweren Störungen werden zusätzlich bestimmte Medikamente, so genannte
Antidepressiva, eingesetzt. In akuten Fällen mit
stärksten Ängste können vorübergehend stark wirksame, angstlösende Medikamente,
so genannte Tranquilizer (Benzodiazepine, zum Beispiel Diazepam), gegeben
werden, wegen der Gefahr der Entwicklung einer körperlichen Abhängigkeit jedoch
nur im Notfall beziehungsweise über kurze Zeit.
Bei spezifischen Phobien sind verhaltenstherapeutische
Reizkonfrontationsverfahren sehr wirksam. Medikamente sind meist nicht
notwendig.
Bei Panikstörungen und der Agoraphobie werden ebenfalls verhaltenstherapeutische
Verfahren (Exposition, kognitive Therapie) angewendet. Hier ist die Kombination
mit Antidepressiva am wirksamsten.
Soziale Phobie
In leichten Fällen reicht eine Verhaltenstherapie aus, in schweren Fällen ist
die zusätzliche Gabe von Antidepressiva über mehrere Monate notwendig.
Viele Unsicherheiten lassen sich durch Rollenspiele oder durch ein
Expositionstraining überwinden. Bei einem Expositionstraining übt man mit dem
Therapeuten beängstigende Situationen im Alltag. Es kann aber auch sein, dass
die soziale Ängstlichkeit tiefere Ursachen hat. Hier ist es dann wichtig, diese
Probleme zum Beispiel in einer
Gesprächstherapie aufzuarbeiten.
Generalisierte Angststörung
Auch hier ist eine verhaltenstherapeutische Psychotherapie notwendig,
Medikamente sollten zusätzlich eingesetzt werden, wenn der Erfolg der
Psychotherapie allein zu gering ist.
Wie ist der Verlauf der
Erkrankung?
Angststörungen neigen zu einer Chronifizierung, das heißt, zu einer dauernden
Anwesenheit, wenn sie nicht behandelt werden. Bei der Panikstörung
beispielsweise kommt es nur bei 10 bis 30 % der Betroffenen spontan zu einer
vollständigen Gesundung.
Verhaltenstherapie und Medikamenteneinnahme verbessern die Prognose wesentlich.
Die isolierten Phobien sind sehr gut zu behandeln.
Grundsätzlich gilt: Je früher eine Behandlung begonnen wird, desto günstiger ist
der Verlauf.
Psychische Störungen
Achtung - Gesundheitshinweis:
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für
gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden
Ihren Arzt oder Apotheker. Nehmen Sie Medikamente nicht ohne Absprache mit einem
Arzt oder Apotheker ein.
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Angststörung aus der
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